

Im November und Dezember 2025 unternahm ich mit meinen drei Freunden, Michi,
Ben und Jan, eine Paddelreise nach Chile. Hier erlebten wir viele Abenteuer,
lernten neue Freunde kennen und paddelten natürlich eine Menge. Im folgenden
Artikel könnt ihr darüber lesen.

Rio Maipo
Nach etwas Verspätung, weil mein Boot als einziges nicht angekommen ist,
begeben wir uns am zweiten Tag unserer Chile-Reise zum Rio Maipo. Nach einer
erholsamen Nacht auf einem eigentlich zu teuren Campingplatz steigen wir auf
dem oberen Abschnitt ein. Wir werden mit wunderbarem Read and Run-
Wildwasser begrüßt. Nach der langen Reise und Problemen mit dem Boot kommt
mir der Fluss wie eine wohlverdiente Belohnung vor. Die Landschaft ist zwar karg,
aber trotzdem irgendwie wunderschön. Bis auf eine etwas unerwartet lange
Umtrage hat der Rio Maipo nur coole Stellen und Moves zu bieten. Der perfekte
Warm-up-Bach.

Rio Yeso
Nachdem wir den Rio Maipo nun erkundet haben, bot es sich auf dem Rückweg
vom Campspot an, einen Zufluss zu paddeln. Der Rio Yeso kommt auf über 2000
m aus einem Stausee. Kurz dahinter gibt es sogar einen coolen 10 m Wasserfall,
der bei uns leider deutlich zu wenig Wasser hatte. Somit stiegen wir etwa 4 km vor
der Mündung in den Rio Maipo ein. Zuerst ging es recht gemächlich dahin.
Nachdem wir die erste Stelle gescoutet hatten, ging es aber doch ziemlich schnell
dahin. Der Bach wird eng, und es zieht zwischen steilen Bouldergardens bergab.
Glücklicherweise lag nirgends ein Baum über dem Bach, und wir konnten die
Befahrung bis zur Mündung in den Maipo unbeschadet abschließen.



Rio Claro, Ventidos
Träume werden wahr! Der Rio Claro ist wohl einer der bekanntesten und
meistfotografierten Flüsse der Welt. Schon lange habe ich davon geträumt, einmal
in dieser markanten Schlucht mit meinem Kajak unterwegs zu sein. Was einem
allerdings vorher keiner erzählt, ist, dass man erst einmal 2 km durch die Wildniswandern muss, um den Einstieg zu den Ventidos Saltos (22 Wasserfälle) zu
erreichen. Ist dies einmal geschafft, öffnet sich jedoch das Kajaker-Paradies. Eine
ungefähr 2 km lange Schlucht mit perfekten Wasserfällen und Stufen. Einfach ein
Traum.


Rio Claro, Siete Tazas
Ein weiterer bekannter Abschnitt auf dem Rio Claro sind die Siete Tazas (7
Wasserfälle). Der perfekte Bach, um Wasserfallspringen zu üben oder zu lernen.
Innerhalb von etwa 10 Minuten befährt man drei Wasserfälle zwischen drei und
sechs Metern und vier kleine Stufen. Den Ausstieg sollte man jedoch nicht
verpassen. Danach geht es in eine tiefe Schlucht und kurz darauf zu La Leona,
einem 20 m hohen Wasserfall.

Blanco-Sur-Wasserfall
Der Blanco Sur ist wohl der beste hohe Wasserfall zum Üben und Senden.
Zwischen dem Rio Claro befindet sich dieser perfekte Park and Huck. Ungefähr 10
m hoch, leichte Anfahrt, perfekte Kante und riesiger Pool. Hier verbrachten wir fast
einen ganzen Tag, obwohl ich mit zwei Fahrten die meisten hatte. Wir trafen eine
Gruppe von Amerikanern, die sich auf allen erdenklichen Wegen den Wasserfall
runterjagten. Freewheels, Cobra Flips oder rückwärts. Später sollten wir uns mit
dieser Crew zusammentun.

Upper Palguin
Nach etwa zwei Wochen hatten wir es in das Wildwasser-Mekka Pucón geschafft.
Nachdem uns die Polizei und der Regen eine ungemütliche Nacht beschert hatten,
war es nun Zeit für den oberen Palguin. Ein weiterer Klassiker. Zwar hat der
Abschnitt eigentlich nur vier Stellen und einen steilen Weg zum Ein- und Ausstieg,
dennoch ist es einer der besten Runs in Chile. Wahrscheinlich hat jeder die
Doppelstufe und den 4-m-Wasserfall schon einmal auf Instagram gesehen. Hier
machten wir unzählige Laps, versuchten uns an Tricks und hatten eine super Zeit.
Das Rein- und Raus-Tragen ausgeschlossen.


Rio Fuy
Der Rio Fuy ist einer meiner zwei Lieblingsbäche in Chile. Auf dem oberen Fuy hat
man 5 km mit mehreren Wasserfällen, Stufen, Kickflips und Surfwellen. Dank einer
Cabaña direkt am Einstieg waren vier Laps am Tag nicht ungewöhnlich. Party-Laps
all day! Der untere Abschnitt ist, abgesehen von den Nationalpark-Rangern,
deutlich einfacher. Nach einem Katz-und-Maus-Spiel, um den Nationalpark-
Eingang zu passieren, erwartet einen Wildwasser der Kategorie drei – Joypaddeln.


Rininahue
Dieser kurze Abschnitt besteht aus zwei kleineren Stufen und einem 12 m hohen
Wasserfall. Die Schwierigkeit besteht darin, nicht in die große Unterspülung
zwischen dem ersten und zweiten Drop zu geraten. Der letzte Wasserfall ist dafür
perfekt und landet in einem großen, wunderschönen Pool. Dank der Unterspülung
hatte ich hier einige Bedenken, stieg erst einmal nicht ins Boot und machte für
meine Freunde, so gut es ging, Safety. Nachdem jedoch alle gut runtergekommen
sind, nahm ich all meinen Mut zusammen und fuhr auch. Auch bei mir lief alles gut.


Rio Puelo
Mein absoluter Lieblingsbach in Chile und vielleicht sogar der Welt. Um hierher zu
kommen, nimmt man eine kleine Fähre und fährt danach noch etwa eine Stunde
bis zu Nachos Camp, direkt am Ausstieg. Ein Traum von Campingplatz. Nette
Menschen, perfekte Lage und billig. Es ist wichtig, vorher zu tanken und gut
einzukaufen. Hinter der Fähre gibt es nur einen kleinen und teuren Laden. Der Run
selbst auf dem oberen Puelo ist ein weiterer Traum. 8 km wuchtiges Wildwasser
vier bis fünf. Kein Rein- oder Raus-Tragen und keine Umtragen. Einer unserer
amerikanischen Kumpels stellte sogar einen Rekord auf: zehn Laps an einem Tag.
Mir wurden nach vier schon die Arme schwer.



Futaleufú
Der südlich gelegenste Bach unserer Reise. Hierher zu kommen ist fast eine
eigene Reise: 7 Stunden Fähre und unzählige Stunden im Auto. Ist man abereinmal da, eröffnet sich einem das Big-Water-Paradies Patagoniens. Auf der
Bridge-to-Bridge-Section kann man den ganzen Tag shredden und die größten
Kickflips ever ziehen. Auch Todo Futa, also den ganzen Bach, machten wir
zweimal. Dabei paddelt man durch den eindrucksvollen Inferno Canyon, umträgt
oder fährt Zeta und bezwingt den Throne Room sowie Terminator – alles massive
Rapids. Dazwischen allerdings auch sehr viel Flachwasser. Insgesamt paddelt
man bei einem Todo etwa 50 km. Untergekommen sind wir in Futaleufú bei dem
Vater eines Paddlers, den wir zuvor am Maipo getroffen hatten. Mit diesem hatten
wir bestimmt fünf Asados und einen super Pennplatz. Nach dem Futa ging es für
uns alle wieder Richtung Santiago und nach Hause oder Mexiko.

Ein riesengroßes Dankeschön an Jan Haller für die tollen Fotos!